Am 14.10. fuhren Schüler:innen der KMD Herbststrasse nach Mauthausen. An jenen Ort, an dem mindestens 90 000 Menschen auf brutalste Weise ihr Leben verloren haben.
Ein Text von Lenya Michahelles, 5. Jahrgang Kunstschule Herbststrasse
Der Bus fuhr die geschlängelte Straße hinauf. Die Landschaft wirkte friedlich; die Hügel waren mit Wäldern und Bauernhöfen besiedelt. Der letzte Bauernhof vor dem ehemaligen KZ ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Es handelt sich um einen gewöhnlichen Hof; ein altes Haus mit Garten und Apfelbäumen. Von der Straße und dem Hof aus – auf der Spitze des Hügels – sah man den massiven Bau von Mauthausen. Er ragte in die Höhe und war kaum zu übersehen. Die Wachtürme reichten einschüchternd in den Himmel hinauf, die Mauern wirkten gewaltig und kalt. Ich glaube, selbst wenn man nicht wüsste, was vor knapp 80 Jahren hinter den Mauern geschah, hätte man beim Anblick des Baus ein komisches, ungutes Gefühl im Bauch bekommen.
Wir verbrachten eine Stunde im Museum von Mauthausen. Viel Zeit war das leider nicht. Um das Museum vollständig zu erkunden, braucht man weitaus mehr Zeit. Doch eine Sache ist mir besonders geblieben: die Apfelbäume des Bauernhofes. In einer Geschichte eines KZ-Überlebenden wird geschildert, wie die Häftlinge dieselbe lange Straße, die wir gerade mit dem Bus hinaufgefahren sind, hinaufgetrieben werden. Alle Häftlinge sind von ihrer Deportation erschöpft und hungrig. Einer von ihnen bückt sich, hebt einen Apfel auf und beißt hinein. Daraufhin wird er von einem SS-Mann erschossen. Er verlor sein Leben, weil er etwas Selbstverständliches tat: Er aß, um seinen Hunger zu stillen. Diese Geschichte zeigte mir, wie willkürlich die Nationalsozialisten handelten – wie grausam und menschenverachtend sie handelten.
Diese Willkür spiegelt die Grausamkeit der NS-Diktatur wider. Die NS-Herrscher konnten sich alles erlauben, weil sie sich im Recht sahen und die breite Gesellschaft sie unterstützte. Die meisten schauten weg, wenn die KZ-Häftlinge am Bahnhof ankamen oder im Steinbruch schufteten. Die meisten taten nichts und leugneten später, sie hätten etwas gewusst. Heute ist Mauthausen ein Museum, aber auch eine Gedenkstätte für die 90 000 Opfer, denen nicht geholfen wurde. Als 1945 knapp 500 sowjetische Kriegsgefangene die Flucht ergriffen, wurden die umliegenden Nachbarn zu Tätern. Diese Leute stellten sich nicht gegen das Regime, sie schauten auch nicht weg, sondern wurden Teil des Verbrechens.
Mauthausen hat mir gezeigt, wie man heute mit dem Gedenken an die Shoah umgeht. An vielen verschiedenen Stellen sieht man Tafeln, Kerzen und Blumen, die die Opfer würdigen. Der Ort hat sich von einem Ort des Mordens zu einem Friedhof gewandelt. Doch die Gedenkstätte ist nicht nur ein Friedhof, sondern auch ein Symbol dafür, was passieren kann, wenn die Gesellschaft den Faschismus akzeptiert.
Infobox
Am 14. Oktober 2026 besuchte die KMD Herbststrasse mit fünf Klassen, 110 Schülerinnen und Schülern sowie vier Lehrkräften die Gedenkstätte Mauthausen. Neben dem Museum standen geführte Rundgänge auf dem Programm. Die dabei entstandenen Texte werden im Rahmen dieses Berichts veröffentlicht.
Ein herzlicher Dank gilt dem Elternverein und dem ÖAD für die finanzielle Unterstützung.


















